Selbstorganisation am praktischen Beispiel

VonBurghardt Garske

Selbstorganisation am praktischen Beispiel

Was ist dran an Selbstorganisation, dem heiligen Gral der Unternehmensführung? Die Versprechen sind groß: es geht um Spitzenleistungen und High-Performanceorganisationen und natürlich um die Steigerung der Innovationskraft. Ganz nebenbei werden auch die Führungskräfte abgeschafft, wie Georg Kraus in der Computerwoche schreibt.

Selbstorganisation in der Praxis

Aktuell bin ich mit dem Segelboot in Dänemark. Und hier beobachte ich aus dem Cockpit jeden Abend Selbstorganisation in Vollendung. Es geht um folgende Aufgabe: ein Sportboothafen mit begrenzter Zahl an Liegeplätzen soll maximal viele der ankommenden Boote aufnehmen. Um es vorwegzunehmen: es wird niemand weggeschickt. Auf wunderbare Weise findet jeder einen Liegeplatz – obwohl der Hafen im Prinzip voll ist. Und das Beste – es funktioniert ganz ohne dirigierenden Hafenmeister, einfach per Selbstorganisation!

Was passiert konkret? Die Boote laufen nacheinander in den Hafen. Sie belegen freie Plätze natürlich zuerst. Danach werden Lücken gesucht und gefüllt: ganz hinten in der Ecke z.B. oder am Kopf eines Steges. Später zwängt sich das ein oder andere Boot zwischen zwei andere, die etwas Platz machen. Am Ende gehen Boote an anderen längsseits und liegen dann im Päckchen. Diese werden im Notfall immer größer. Am Ende hat jeder einen Platz, alles ist ordentlich vertäut und sicher. Perfekt!

Prinzip 1: Regeln

Bevor es los geht mit dem Anlegen, ist klar, dass es einige wenige Regeln gibt: In diesem Fall, dass freie Plätze grün und solche, die später von Eignern belegt werden, rot markiert sind. Es darf nur so festgemacht werden, dass die “Verkehrswege” frei bleiben. Außerdem ist es üblich, dass man nur an gleich großen oder größeren Booten festmacht.

Prinzip 2: Transparanz

Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass es dieses Element ist, welches entscheidend zum Gelingen des abendlichen Hafenballetts beiträgt. Die Hafensituation ist für jeden transparent: die freien und belegten Plätze sind klar erkennbar. Die Neuankömmlinge wissen um die Größe ihrer eigenen Boote. Sie können nun also verantwortlich entscheiden, wo sie anlegen und wo sie es besser sein lassen. Ein 12 Meter Boot in eine zu kleine Box zu fahren ist nicht schlau. Auch wird sich der Eigner eines Folkebootes sicher nicht freuen, wenn ein 18 Tonnen schweres Motorboot versucht, an seinem Winzling festzumachen.

Prinzip 3: Agilität

Erst mit der dritten Zutat, der Agilität, kommt die Belegung des Hafens in Schwung. Das Wort agil verwende ich im Sinne von reaktiv. Agil bedeutet für mich, zeitnah auf eine neue Situation reagieren zu können. Und in dieser Disziplin sind Segler richtig gut. Diese Agilität macht Hafenkino erst spannend. Nähert sich ein Boot einem anderen, um längsseits zu gehen, kommt Bewegung in die Crews. Jeder hat nun nur genau eine Priorität: dem Ankommenden die Leinen abzunehmen und mitzuhelfen, dass er gut angelegt.

Insbesondere in schwierigen Situationen, ein Boot muss z.B. in eine sehe enge Lücke hineinzirkeln, helfen alle Crews der Nachbarboote – und zwar völlig ungefragt und ganz ohne vorherige Besprechung!

Prinzipien 4 & 5: Kultur und Eigennutz

Ich habe mich gefragt, ob es weitere Zutaten gibt, die hilfreich sind für das beschriebene Szenario. Es gibt sie: genau wie in Unternehmen gibt es auch unter Seglern eine ausgeprägte Kultur. Sie nennt sich “gute Seemannschaft”. Dazu gehört unbedingt, dass man sich gegenseitig hilft. Ein weiterer Punkt ist der Eigennutz. Natürlich möchte jeder Skipper eines schon festgemachten Bootes Schäden an seinem eigenen Boot vermeiden. Da ist es nur natürlich, dem anderen zu helfen, um so Schäden zu verhindern. Eigennutz als Motivation – ein interessanter Gedanke auch bei der Führung von Teams.

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Über den Autor

Burghardt Garske administrator

Mitgründer und Geschäftsführer der humbee solutions GmbH. Burghardt Garske ist überzeugter Anwender des agilen Mindsets. Mit humbee, dem digitalen Arbeitsplatz, begleitet er die digitale Transformation seiner Kunden.

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